Gustl Mollath frei




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Gustl Mollath frei

Beitragvon Dreamer » Di 6. Aug 2013, 22:56

Ein Fall, der nach und nach die ganze Republik in seinen Bann gezogen hat, nimmt eine überraschende Wende: Heute entschied das Oberlandesgericht Nürnberg, dass das Strafverfahren gegen Gustl Mollath wiederaufzunehmen ist. Dadurch wird die ursprüngliche Verurteilung hinfällig. Gustl Mollath ist sofort in die Freiheit zu entlassen.

Mollath soll seine Ehefrau gewürgt und gegen ihren Willen festgehalten haben. Außerdem soll er Autoreifen zerstochen haben. 2006 wurde er zwar wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen, wurde aber wegen angeblicher Wiederholungsgefahr zum Schutz der Öffentlichkeit in einem Krankenhaus untergebracht. Der Fall ist brisant, da Mollath vor den ihm zur Last gelegten Taten Vorwürfe über Schwarzgeldtransaktionen der HypoVereinsbank, bei welcher seine Frau beschäftigt war, geäußert hatte.

In den Medien wurden zunehmend Zweifel an der Verhältnismäßigkeit dieser Maßnahme im Allgemeinen und an der Rechtmäßigkeit des damaligen Verfahrens im Besonderen laut. Journalisten und Juristen deckten viele Ungereimtheiten auf. Selbst von strafbarer Rechtsbeugung und Befangenheit des Richters war die Rede. Im weiteren Verlauf gab es gerichtliche Entscheidungen, die zwar hier und da kleinere Rechtsfehler des ersten Verfahrens bestätigten, insgesamt an der weiteren Unterbringung nichts änderten, auch die Verhältnismäßigkeit sei selbst nach sieben langen Jahren noch gegeben.

Nun wird die Sache neu aufgerollt. Eine wesentliche Rolle werden dabei der interne Prüfungsbericht der HypoVereinsbank, welcher einen Teil der Vorwürfe Mollaths bestätigt, und das unter zweifelhaften Bedingungen zustandegekommene Attest, welches die Verletzungen Mollaths Ehefrau dokumentieren soll, einnehmen.

Natürlich bedeutet all dies nicht automatisch, dass Mollath die Taten nicht begangen hat. Jedoch würde es die Glaubwürdigkeit der Zeugenaussage seiner Frau stark erschüttern. Das Gericht, an die die Sache zur Entscheidung zurückverwiesen wurde, muss den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen neu prüfen. Es könnte ja sein, dass Mollaths Frau die Anschuldigungen aus Rache erfunden hat, um ihn so unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Die psychiatrische Unterbringung kam ihr dabei dann sehr gelegen.

Sollten sich die Kritikpunkte an dem ersten Urteil bestätigen, dürfte der Fall noch für einiges Aufsehen sorgen. So oder so kommt hier aber der Rechtsstaat an seine Grenzen. Denn - angenommen, Mollath wurde zu Unrecht untergebracht - wie entschädigt man einen solchen Mann für diese Zeit? Finanziell ist dies gesetzlich festgelegt, aber die sieben Jahre plus x kann ihm keiner mehr zurückgeben. Er steht nun vor dem Trümmern seiner verlorenen Existenz.
Ein Mann wie ein Baum - sie nannten ihn Bonsai.
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