Stuttgart21




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Seid ihr für oder gegen Stuttgart 21?

Für Stuttgart 21
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Keine Stimmen
Gegen Stuttgart 21
4
100%
 
Abstimmungen insgesamt : 4

Stuttgart21

Beitragvon Choclate » Fr 1. Okt 2010, 19:54

Wir diskutieren momentan viel zu diesem Thema und da würde mich mal eure Meinung interessieren.

Ich persönlich denke, dass das Projekt für die Stadt ein großer Vorteil ist. Die Art wie vorgegangen wurde stört mich. Das der alte Hauptbahnhof abgerissen wird obwohl er unter Denkmalschutz steht. das wird einfach übergangen. Genauso die Explosion der Kosten. Das Theater über die alten Bäume kann ich nicht verstehen. Einige sollen ja versetzt werden und dann soll ja an der Stelle der Gleise, die in den Bahnhof reinlaufen ein großer Park entstehen. Was ich ebenfalls noch gelesen habe ist, dass die Schnellbahntrasse nachUlm ja anscheinend Teil einer großen Strecke werden soll und das die ganze Sache von der EU schon beschlossen ist. Stoppen wird man das Ganze sowieso nicht mehr trotz aller Proteste.

:eis2:
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Re: Stuttgart21

Beitragvon Dreamer » Fr 1. Okt 2010, 20:18

Ich muss sagen, ich bewundere die Demonstranten, die sich entschlossen über Wochen gegen dieses Projekt stellen und sich auch von teilweise massiven Polizeieinsätzen nicht einschüchtern lassen. Die Entfremdung von Politik und Bürgern wird hier sehr deutlich.

Das der alte Hauptbahnhof abgerissen wird obwohl er unter Denkmalschutz steht. das wird einfach übergangen. Genauso die Explosion der Kosten.


Das sind genau die Punkte. Da werden Verkehrsprojekte auf Teufel komm raus durchgeprügelt und die Zahlen extrem geschönt. Die Zeche zahlt aber hinterher der Steuerzahler.

Früher gab es die Enteignungen wegen Autobahnbauten, heute sind es einzelne Prestigeobjekte, mit denen sich Stadtväter ein Denkmal setzen wollen.

Stuttgart 21 ist für mich ein Beispiel dafür, wie an sich gute Sachen in die Hose gehen, weil man nicht auf dem Teppich bleibt, sondern einen Höhenflug bekommt.
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Re: Stuttgart21

Beitragvon Manesse » Fr 1. Okt 2010, 20:48

Choclate hat geschrieben:Ich persönlich denke, dass das Projekt für die Stadt ein großer Vorteil ist.



Und worin soll dieser Vorteil bestehen? :???:
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Re: Stuttgart21

Beitragvon Choclate » Fr 1. Okt 2010, 21:28

Allein die Gegend um den Bahnhof selber, da darfst du abends nicht alleine lang gehen. Ichhab den Fehler einmal gemacht. Ich denke, dass das Ganze eine Aufwertung bringt.

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Re: Stuttgart21

Beitragvon Dreamer » Fr 1. Okt 2010, 22:52

Aber das kann man doch günstiger haben als mit diesem größenwahnsinnigen Projekt.
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Re: Stuttgart21

Beitragvon MARCO21 » Sa 2. Okt 2010, 12:15

Liebe Nutzer des Forums "Stuttgard 21"

speziel zu dieser Angelegeheit habe ich mich in Eurem Forum angemeldet um Euch zu unterstützen
was den Abriss der Bäume, bzw Parkanlage betrift.
Ich verfolge diese Situation von der Schweiz aus, und ich bin zu tiefst erschüttert was dort vorgeht.
Man bekommt das Gefühl, wohl auch den Eindruck das der Bahnforsteher der "Deutschen Bahn" wohl
keinen Cent besser ist und wird als der vorgänger Mehdorn.
Was hat diesen Menschen geritten, um über das Volk hinaus zu entscheiden??? Das Parlament? Die
Zusage der Supfenzionen" ? Es ist eine Schande was diese Person durch sein ungehobeltes Auftreten
erreicht, und auch dafür noch Unterstützung bekommt. Auch dieser Stefan Mappuns sollte ganz ganz schnell
von seinem Posten abtreten.
Textzeile gelöscht
Leute, IHR SEIT DAS VOLK, IHR HABT DAS MIT BESTIMMUNGSRECHT, deswegen: lasst Euch nicht Unterkriegen,
ich von meiner seite stehe 1000% hinter Euch.
Zuletzt geändert von Pointy am Sa 2. Okt 2010, 23:09, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Bearbeitet von Pointy
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Re: Stuttgart21

Beitragvon Manesse » So 3. Okt 2010, 06:03

Eben habe ich als zweiter abgestimmt.

Mit anderen Worten:

Dieses heiße Thema ist den meisten Foristen hier völlig wurscht!

Frage: Sagt mal - wofür interessiert ihr euch überhaupt?
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Re: Stuttgart21

Beitragvon Vourdalak » So 3. Okt 2010, 10:07

Guten Morgen,
oder gute Nacht, je nach dem, wie man das sehen will, denn ich bin gerade heim gekommen.
Ich war gestern in Stuttgart und die Nacht über.
Über meine Einstellung zum Projekt und was ich politisch denke, will ich gar nicht so viel erzählen, nur kurz : mein Herz schlägt links und ich habe "nein" oben angeklickt.
Meine Eindrücke, die ich speziell gestern abend/heute Nacht empfand will ich mal schildern.

Zuerstmal zu mir als Person was : ich bin weder Anarcho, noch irgendein Anhänger des "schwarzen Blockes", ich laufe einfach immer nur in schwarz rum. So auch gestern : schwarzes T-Shirt, schwarzes Hose und einen schwarzen Kapuzenpulli. Da am Biergarten am oberen Schloßpark, dort wo die Baumfällarbeiten begannen, die ganze Wiese aufgeweicht ist, es ein großes "Schlammfeld" ist, habe ich mir meine Hosen in meine Knöchel-Stiefel reingesteckt, sah ähnlich verboten aus, wie Kleidung der Bundespolizei, aber egal ;-) .
Als es noch hell war/tagsüber störte sich keiner an meinem "Outfit".
Aber als ich nachts mal auf den Bahnhof ging ( wir wollten was essen und mal aufs "Örtchen") schaute man mir als Polizeiaugen nach und ich wurde angesprochen und sollte meine Personalien zeigen :motz1:
Als wir dann was aßen auf dem Bahnhof fiel mir auf, dass es einigen ähnlich erging : Leute, die ähnlich gekleidet waren wie ich habe ich 2-3 Mal angesprochen gesehen, andere "ökonmäßig" gestylte nicht. Zufall ?
Ich denke, das hat was mit der Kontrolle zu tun, die Leuten widerfährt, die in Stuttgart Zug fahren wollen.
Es stand in den Medien, dass nur jeder runter an die Gleise kommt, der ne gültige Fahrkarte hat. Man darf seine Liebste nicht vom Bahngleis abholen oder hinbringen. Denn die ohne Fahrkarte könnten ja wieder mal die Gleise blockieren.
Ich frage mich : für wie doof halten die die Leute ?
Da kauf ich mir halt in Waiblingen ne Fahrkarte, fahre auf den Stuttgarter Bahnhof, steige dort aus : und bin unten :grins:

Ich bin ja ein recht demoerfahrener Mensch und war schon auf mehreren Demos, wo auch von Polizisten geprügelt wurde.
Aber bei aller Wut muss man auch immer eins sehen : es gibt auch andere. Klar, gibts welche, die sehr brutal vorgehen, sich nicht beherrschen können. Aber in diversen Videos sieht man nun auch wieder die "normalen" Polizisten : nach einer Prügelattacke eines haarlosen Stiernackens ( auf sämtlichen "Gegen S21-Webseiten" zu sehen) ist ein recht junger Polizist, der seine Kollegen zurückdrängt, eine Barriere zwischen denen und den Demonstranten bildet und so deeskalierend wirkt.

Da ich die "Leitlinien des Zivilen Ungehorsams" befolge ( also keine Radauschwester bin), schätze ich das natürlich.

Besonders toll finde ich, dass so viele unterschiedliche Gründe gegen S21 zusammenfinden. Leider wird die Gegnerschaft ja auch schon gespalten. Es gibt ja schon seit über 15 Jahren eine Gegengruppe, die erst die letzten Wochen viel Zulauf bekam, aber die sind manchen "zu friedlich", nicht radikal genug usw.
Nun ein paar Eindrücke von der Nacht ( ich hoffe ihr habt bis hierher geschafft) :ein Hügel nahe dem Biergarten wurde mit Flutlichtern ausgeleuchtet. Man sah also schon von weitem, weil der Park sonst recht dunkel war, dass "da vorne" etwas sei. Das Gelände rund um den "Hügel" war aufgeweicht, schlammig, knöcheltief watete man durch diesen Schlamm. Ein relativ niedriger Zaun trennte "Parkwächter" und Polizisten, von denen etwa 100-130 an dieser Stelle waren, "normale" Polizei, während die Stadt von der Bundespolizei "unsicher" gemacht wurde.
Verließ man den Park standen am oberen Ende auf einer gesperrten Straße mind 60 Mannschaftswagen der Polizei.
Also wirklich ein Großaufgebot.
Und wenn man den Medien glauben darf, soll ja bis Donnerstag abend der Polizeieinsatz schon 5 Millionen € gekostet haben. Scheint wohl so als würde nur alleine das auf Dauer den ursprüngl Kostenrahmen des Projektes sprengen ;-)
Egal, wem man zuhörte, egal mit wem man sprach : fast jeder hatte einen anderen Grund, warum er da ist.
Eine Frau z.b. wohnt dort in der Nähe und sie hat Angst, dass bei den Bauarbeiten ähnliches wie in Köln passiert und die Straße wegsackt.
Ein anderer Herr hat "geologische" Bedenken. Unter dem Bahnhof sei Gestein wie in Staufen und er hat Angst, dass sowas passiert : http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 44,00.html ( Link mal eingefügt, beschreibt es besser, als wenn ich es erkläre).

Anderen Leuten geht es um den finanziellen Aspekt. Jemand anderes ist gegen das Projekt, weil der Kosten-Nutzen-Faktor nicht gegeben ist. Hätte man danach mehr Bahngleise als jetzt und wäre schneller da, fände er es okay. Aber wegen teils 4 Minuten schnellerer Fahrt, auf manchen Strecken wird es sogar langsamer.....nein, das ginge nicht.

Ökoaktivisten : nicht mal 100 m vom Ort des Geschehens entfernt hoppelten recht viele Hasen rum. Die Hasen gibts/gabsm natürlich auch dort, wo jetzt gebaut wird. Wenn Bäume gefällt werden, Erde ausgehoben wird, wird natürlich Lebensraum von Tieren verdrängt.
Besonders imponiert haben mir die Aktivisten von Robin Wood : sie haben Hängematten in Bäumen angebracht und darin haben sie ihr Hab und Gut und schlafen.
Die Bäume rund um die Baustelle sind durchnummeriert. Überall hängen Schilder, bunte Bänder, Gebetsfahnen, Gedichte, Plüschtieren, Blumen und es stehen Grabkerzen darunter.
Zwischen den Bäumen haben sich Leute für Mahnwachen eingerichtet.
Wirkt teils sehr schön - wenn man den Hintergrund nicht kennt ! Hat etwas von Lagerfeuerromantik.
Teils auch hier aber schon Resignation oder Wut auf andere Demoteilnehmer. So hat ein Mann vor seinem Wachplatz ein Schild aufgestellt mit sinngemäß diesem Text : ich bin gegen Gewalt. Aber eine Revolution kann nicht immer friedlich verlaufen. Warum redet ihr nur warum haben wir bei Beginn der Bauarbeiten nicht die Absperrung durchbrochen und die frisch betonierten Pfosten rausgerissen....wir waren mehr Leute als die Polizei. Ich hoffe ich darf ein paar kleine Bilder anhängen ( selbstgeschossen, also nirgends im Netz "geklaut") Bild diese Pfeiler hinter den Polizisten sind gemeint.

Also mich hat die Nacht , als das Leben nicht mehr so sehr pulsierte wie tagsüber, es dunkel wurde und die Kerzen natürlich besser zur Geltung kamen, betroffener gemacht. Bild ( okay, sieht man in der Größe schlecht, Kerzen unter Bäumen)
Bild

Und was ich schlecht finde : dass dummerweise gerade das Volksfest ist, die Cannstatter Wasn. Je später die Nacht, desto mehr Ärger gab es mit besoffenen Gröhlern, die ja ach so geile Sprüche gegen die Polizei losrief.
Und somit verbal Gewalt provoziert, was dann die, die dort "campieren" ausbaden dürfen.
An einem Stand am Nordflügel hat so ein I***t einfach Werbematerial, Flyer vernichtet :motz1: Also zumindest gestern abend/nacht waren die Besoffenen das größte Problem. :flop:


@manesse : naja, wenn nicht viele aktiv sind, kann ja auch keiner schreiben......ist leider so. Aber stimmt, Halligallithemen ( wer wird Superstar) finden allgemein in Foren einen größeren Anklang als politische Themen.
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Re: Stuttgart21

Beitragvon Vourdalak » So 3. Okt 2010, 10:09

@Choclate
Allein die Gegend um den Bahnhof selber, da darfst du abends nicht alleine lang gehen. Ichhab den Fehler einmal gemacht. Ich denke, dass das Ganze eine Aufwertung bringt.

Aber das kann man doch nicht aus Grund für einen "neuen Bahnhof" nehmen ? :???:
Wenn nur ein Bruchteilchen (!) der Polizeipräsenz immer in Stuttgart da wäre, die jetzt gerade da ist, man also nicht an der Sicherheit spart, Fußstreifen durch die Stadt laufen läßt, dann wäre das Viertel doch auch schon sicherer. Oder meinetwegen berittene Polizei im Park wie im engl. Garten.
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Re: Stuttgart21

Beitragvon Dreamer » So 3. Okt 2010, 22:29

Hi Vourda!

Der erste Bericht ist sehr interessant zu lesen, danke für die ausführliche Beschreibung. Der zweite Beitrag trifft in meinen Augen den Nagel auf den Kopf.
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Re: Stuttgart21

Beitragvon Vourdalak » So 3. Okt 2010, 23:12

:ciao: Hallo Dreamer.
naja, ich wollte keine Fakten nennen, sondern nur mal meine Eindrücke möglichst "neutral" ( aber mit der sichtbaren "Linie" Richtung "nein") schildern.
Ich halte nichts davon die Polizei sich nun als Feind zu machen, gibt es doch auch die kritischen Polizisten http://www.kritische-polizisten.de/ . Besser wäre es, wenn man die als Gegner für sich gewinnt.
In wievielen Diktaturen hat die Polizei erst aufsVolk eingeprügelt und dann die "Obrigkeiten" abgesetzt.... ;-)

Scheinbar soll diese Nacht der Südflügel abgerissen werden. Man liest überall, dass 3 große Fahrzeuge mit Bagger vorgefahren sind. Auf fluegel.tv fahren seit einigen Minuten ausschließlich Streifenwagen durchs Bild der Webcam ( eine offene, befahrbare Straße).
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Re: Stuttgart21

Beitragvon Vourdalak » Mo 4. Okt 2010, 12:09

:ciao: es war wohl falscher Alarm, es wurde nichts abgerissen. Hätte mich auch stark gewundert, wenn man so eskalierend am Tag der Einheit vorgegangen wäre. Das wäre eine offensichtliche Provokation ( nachdem man einen Zaun hochgezogen hat).
Aber sowas hier macht doch Mut: http://mike-kleiss.de/mike-kleiss.de/Bl ... st_21.html
Ja, es gehört viel Mut dazu, so zu reagieren. Da wird jetzt einer eine Abmahnung kassieren.


http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?Vie ... 0570471014 :grins: Zuerst wundert man sich vielleicht, wie man so bekloppt sein kann, dies zu erwerben. Aber es ist symbolisch. Eine Spende für die Parkschützer :top:
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Re: Stuttgart21

Beitragvon Dreamer » Mo 4. Okt 2010, 22:08

Vourdalak hat geschrieben:naja, ich wollte keine Fakten nennen, sondern nur mal meine Eindrücke möglichst "neutral" ( aber mit der sichtbaren "Linie" Richtung "nein") schildern.


Na ja, so ein Erlebnisbericht ist immer subjektiv, persönlich. Aber gerade das macht die Sache interessant. Fakten kann ich auch in der Zeitung lesen, Deine Eindrücke jedoch nicht, insofern ist Dein Text hier sehr wertvoll.

Ich weiß nicht, ob man der Polizei hier eine "politische" Rolle zuschreiben kann. Die sind hier nur ausführende Kraft und wenn man denen sagt "Vertreibt die Demonstranten!", dann machen die das auch. Die Frage ist aber, ob die nicht mal irgendwann melden müssen, dass das der falsche Weg ist, teilweise gewaltsam gegen die Demonstranten vorzugehen und dass man besser eine Lösung im Dialog mit den Einwohnern Stuttgarts suchen sollte (so wie dieser "Polizist 21" :grins: ).
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Re: Stuttgart21

Beitragvon Vourdalak » Mo 4. Okt 2010, 23:05

Naja, wer wird das aber schon ?
Man hält mit der Meinung, die man selber hat mal lieber hinterm Berg, motzt sich bei der Familie aus und das wars. Ich sags mal so : wer als Polizist so "versagt", weil er privat und Dienstanordnung "kombiniert", der sich weigert, so einer wird woanders auch keinen Job mehr finden im erlernten Beruf. Für den bleibt dann Innendienst am Schreibtisch, möglichst noch in einem asbestversuchten Gebäude mit alten Schreibtischen, in kleinen Revieren oder Diensstellen, wo nicht mal für jeden Kollegen ne schusssichere Weste aus den 90igern da ist oder er wird Türsteher in ner Dorfdisco.

Ich weiß leider aus eigener Erfahrung wie sowas ist. Gut, es war nicht mein erlernter Beruf, es wur "nur" ein Job. Aber ich habe damals auch für mein Gewissen und gegen Anweisung gehandelt, Abmahnung bekommen und Vertrag wurde, obwohl vorher versprochen, nicht verlängert. Das miese Zeugnis, was ich danach bekam konnte ich nirgends vorzeigen. Und als ich dagegen vorgehen wollte gabs plötzlich "Zeugen" für meine Vergehen. Meine Genugtuung ist aber, dass der Betrieb nicht mehr existiert, wurde 3 Monate später behördlich geschlossen :rofl: . Sorry fürs Abschweifen.
Ich will damit nur sagen, es war nur ein Job, ist nicht so wichtig, als wenn man jahrelange Ausbildung machte und dann nichts mehr findet.
Ich weiß nicht, ob man der Polizei hier eine "politische" Rolle zuschreiben kann. Die sind hier nur ausführende Kraft

Meinst du damit meinem Beitrag oder allgemein die Berichterstattung ?
Ich denke du meinst das hier :
In wievielen Diktaturen hat die Polizei erst aufsVolk eingeprügelt und dann die "Obrigkeiten" abgesetzt..


Keine Ahnung, ob man die hier kennt, ich bin ein Freund des zapatisten-Aufstandes.
Wer das ist : http://de.wikipedia.org/wiki/Ej%C3%A9rc ... n_Nacional

Sie kämpfen eigentlich mit friedlichen Mitteln- so hat Sub Marcos am Patronengürtel ein Handy, über der Sturmmaske ein Funkgerät. Aber wenn Gewalt erzeugt wird, reagiert man schon mal mit Gegengewalt. Was aber nur im alleräußersten Notfall ( Gegenwehr) eingesetzt wird. Keine Killerkommandos und Entführungstrupps.
Ich sehe leider bei denen Parallelen zu Stuttgart 21.
Kleine Gruppe erst, plötzlich erstarkt und man nimmt Notiz von ihnen 1994 ( bei Stuttgart : manche kämpfen seit 15 Jahren dagegen, aber erst jetzt, wo " die Kacke am Dampfen" ist, engagieren sich immer mehr Leute, nach letztem Donnerstag gabs nochmals einen Schub).
Es wurde durch Vermittler ( Herr Geißler ? ) Gesprächsbereitschaft gezeigt, dabei Versprechen gemacht, etwas unterzeichnet.......das unterzeichnete nicht durchgeführt, sondern der entgegengesetzte Weg gegangen seitens der Regierung.
Und die Zapatistas haben nicht aufgegeben, sie haben die Taktik geändert und kämpfen weiter und weiter und weiter.....bisher nur mit Versprechen ohne nennenswerte Besserung .
Wen das interessiert, der kann sich diesen 1h Film über die Geschichte des indigenen "Bauernaufstandes" in Chiapas mal anschauen.
http://www.gonorrea.ch/?p=608
Ich persönlich denke, dass es so auch mit Stuttgart laufen wird. Leider :naja:
Aber ich bin eh Pessimist
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Re: Stuttgart21

Beitragvon Dreamer » Di 5. Okt 2010, 22:20

Vourdalak hat geschrieben:Meinst du damit meinem Beitrag oder allgemein die Berichterstattung ?
Ich denke du meinst das hier :
In wievielen Diktaturen hat die Polizei erst aufsVolk eingeprügelt und dann die "Obrigkeiten" abgesetzt..


Mehr noch die beiden Sätze davor.

Keine Ahnung, ob man die hier kennt, ich bin ein Freund des zapatisten-Aufstandes.
Wer das ist : http://de.wikipedia.org/wiki/Ej%C3%A9rc ... n_Nacional


Ich weiß nicht, inwiefern man die Situation in Stuttgart mit Mittelamerika vergleichen kann und ich bin auch kein Freund bewaffneter Aufstände. Ich habe schon ein Problem mit Che Guevara. Viele pappen sich den ja als Poster an die Wand, ohne zu wissen, wer das überhaupt war. Sein Freund und Wegbegleiter Fidel Castro klebte 50 Jahre als Diktator auf seinem Stuhl in Kuba. Ob das etwas mit Befreiung und Freiheit zu tun hat?
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Re: Stuttgart21

Beitragvon Vourdalak » Di 5. Okt 2010, 23:08

:ciao: Da stimme ich dir zu. Che Guevara wird geliebt - viele wissen nicht mal wofür.

Naja, wie gesagt, war vielleicht etwas blöd diesen Vergleich der EZLN mit Stuttgart zu ziehen, wenn der "Gesprächspartner" ( also in dem fall das Forum) eine der beiden Gruppen nicht kennt.
Ich bezog den Vergleich auch nicht auf politische Ziele, sondern auf die Art und Weise wie gekämpft wird für den guten Zweck.
Und ja, da sehe ich Parallelen : wenn in Mexico ein bunter Bus durch die Städte fährt und der "Kommandant" Gedichte vorliest ( die es übrigens auch in Deutschland zu kaufen gibt), dann ist das genauso friedlich, wie der Umzug mit Musik in Stuttgart.
Zugeständnisse werden gemacht, wie kein Abriss des Südflüegels.
Blöde Zugeständnisse, denn das ist eh noch nicht in der Bauphase und deshalb eine hohle Phrase.
Trotzdem lassen sich die Stuttgarter nicht blenden, kämpfen weiter.
Diese Parallelen sah ich und mit dem Filmchen wollte ich drauf verlinken, dass ich glaube, so wird es auch mit Stuttgart laufen...... viele Versprechen, kleine "Zugeständnisse" ( bis nach der Wahl) und dann : nichts wars.
Aber trotzdem haben sie nicht verloren : sie haben gelernt : in der Gemeinschaft ist man stark, kann man kämpfen

Und das ist "kontinentunabhängig" - so kann es in Südamerika, Mittelamerika, Asien - oder eben hier mitten in Europa laufen.
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Re: Stuttgart21

Beitragvon Dreamer » Mi 6. Okt 2010, 16:02

Das ungewöhnlich harte Vorgehen der Polizei gegen vergleichsweise friedliche Demonstranten äußert sich u.a. in schweren Verletzungen durch Wasserwerfer. Zwei Demonstranten, ein Ruheständler und ein junger Erwachsener, drohen deswegen zu erblinden: http://magazine.web.de/de/themen/nachri ... inden.html
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Re: Stuttgart21

Beitragvon Dreamer » Mi 6. Okt 2010, 16:24

Vourdalak hat geschrieben::ciao: Da stimme ich dir zu. Che Guevara wird geliebt - viele wissen nicht mal wofür.


Ich muss zugeben, das berühmte Foto von ihm sieht einfach genial aus. Das hat schon etwas Rebellisches und Freiheitskämpferisches und bedient damit die Sehnsüchte vieler, für die das vergleichsweise sichere und bequeme Leben in den Industrienationen noch nicht die Erfüllung ist. Vom Ideal her könnte das durchaus was für mich sein. Allerdings war Guevara ein sehr brutaler Mann, der nicht für die unterdrückte Masse gekämpft hat, sondern für seine eigenen Vorstellungen, und dabei eben über Leichen ging. Ich denke, wäre der mal irgendwie an die Macht gekommen, wäre er als Unterdrücker und Diktator in die Geschichte eingegangen und nicht als Held der Befreiung verehrt worden.

Um mal wieder den Bogen zu Stuttgart zu spannen: Das muss man sicher nüchterner sehen. Hier geht keine unterdrückte Masse auf die Straße und die Lebensumstände sind schon ganz andere. Die Ziele der Demonstranten sind wesentlich geringwertigerer Natur als z.B. das höchste Gut, die Freiheit. Hier geht es ja "nur" um ein historisches Bauwerk, die Verschwendung von Steuergeldern und die Verselbständigung der eigentlich demokratischen Politik. Man kann (außer bei den Wasserwerfern) nicht einmal Parallelen zum Studentenaufstand der 68er-Generation ziehen, denn die hatten nichts Materielles, sondern ein gesellschaftliches Umdenken zum Ziel.

Nein, hier geht der Durchschnittsbürger auf die Straße, und das zum ersten Mal mit richtig Nachdruck. Keine Extremen, gewaltbereiten Autonomen, idealistisch angehauchten Studenten, wütenden Fundamentalisten, sondern Leute wie du und ich. Es ist auch keine dieser "Mode-Demos" wie z.B. in den Neunzigern gegen den ersten Irakkrieg (an dieser habe ich teilgenommen, um zwei Stunden schulfrei zu bekommen) oder gegen Fremdenfeindlichkeit. Ich glaube nicht, dass Lieschen Müller unter normalen Umständen Lust hätte, jeden Abend auf die Straße zu gehen. Das sollte den Damen und Herren Politikern mal zu denken geben. Wenn man das dann so niederknüppelt, dürfte sich das auch massiv auf das das Vertrauen in die Demokratie, die nächste Wahlbeteiligung etc. auswirken.
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