Um jeden Preis Kinder in die Welt setzen




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Um jeden Preis Kinder in die Welt setzen

Beitragvon Choclate » Mo 2. Apr 2012, 23:18

Weiß nicht, ob das in diese Rubrik paßt, aber über diesen Fall haben wir am WE nochmal diskutiert:
Paar kommt zu uns in die Praxis wegen Kinderwunsch. Sie 26 er 49. Beide wohnen in einer betreuten Wohneinrichtung (beide sind geistig etwas zurück geblieben, "sozialschwach"--> so steht es in der Akte). Er kannte das Wort Geschlechtsverkehr nicht. Sie hat 1 Kind was bei einer Pflegefamilie wohnt, er hat 3 Kinder aus einer früheren Beziehung, ebenfalls bei Pflegefamilien. Ich verstehe nicht, wie man ein Kind in die Welt setzen will, wenn man selber nicht in der Lage ist für ein Kind zu sorgen bzw. selber immer Betreuung benötigt. Es ist ja schön, wenn man sich Kinder wünscht, aber man sollte dem Ganzen, was da auf einen zukommt gewachsen sein und nicht Kinder in die Welt setzen, die dann sowieso wieder in einer Pflegefamilie landen.
Ich weiß, daß das ein thema ist über das man endlos diskutieren kann, aber mich würde trotzdem eure Meinung interessieren.



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Re: Um jeden Preis Kinder in die Welt setzen

Beitragvon Dreamer » Mi 4. Apr 2012, 10:08

Ich glaube, in der Situation ist es gut, dass es in Deutschland ein halbwegs funktionierendes Sicherungssystem gibt, wenn die Eltern bei der Kinderbetreuung versagen (ohne das in diesem Fall als Schuldzuweisung zu sehen).

Ich würde das mit den Pflegefamilien auch nicht per se als schlecht ansehen. Es gibt Paare, die wünschen sich sehnlichst ein Kind. Man sollte daraus keine "Industrie" machen, aber in dem Fall ist es doch Glück im Unglück für alle Beteiligten.

Jetzt weiß ich ja nicht, ob bei den Eltern eine geistige Behinderung vorliegt und diese sich auf das Kind übertragen würde. Aber auch hier gibt es Pflegeeltern, denen das egal wäre und die ein solches Kind lieben und fördern würden.

So richtig gut finde ich das auch nicht, aber man kann halt Menschen in ihren intimsten Entscheidungen, dazu gehört auch ein Kinderwunsch, nicht reinpfuschen und ihnen die Fortpflanzung verbieten.
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Re: Um jeden Preis Kinder in die Welt setzen

Beitragvon Choclate » Do 5. Apr 2012, 06:02

in diesem Fall liegt eine leichte geistige Behinderung vor. Und das ist es was ich nicht ok finde. Die Eltern sind ja das Vorbild für das Kind, wie wirkt sich das aus? Wird das Kind dann auch "dumm" (mir fällt nix anderes ein), wenn es nix anderes kennen lernt? Kommt es gleich in eine Pflegefamilie, wie erklärt man dann dem Kind das später? Wie verkraftet es das alles?
Das sind so die Fragen die mir durch den Kopf gehen.
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Re: Um jeden Preis Kinder in die Welt setzen

Beitragvon Dreamer » Do 5. Apr 2012, 11:24

Solange es sich nicht um vererbbare Dinge handelt, sind meiner Erfahrung nach vor allem die ersten Lebensjahre wichtig.

Wie wird so ein Kind gefördert? Gibt es Konflikte, wie ist der Umgang miteinander? All das hat einen Einfluss.

Ich kenne ein Beispiel im Umfeld. Die ältere Tochter ist die ersten vier Jahre bei der Oma aufgewachsen, die jüngere komplett bei den Eltern, die überfordert waren. Die Jüngere ist dann auch geistig etwas zurückgeblieben (nicht im Sinne einer Behinderung, sondern einfach in ihrer Entwicklung und der Fähigkeit, eigenständig zu sein).

Deswegen sollte man auch möglichst früh das Kind in eine Pflegefamilie geben. Das sehe ich dann aber wiederum nicht als große Einschränkung der Lebensqualität an. Wenn es Personen gibt, die dem Kind Halt geben, wird es mit dieser Situation umgehen können. Kinder haben ja den Vorteil, dass in die Situation sprichwörtlich gesehen hineinwachsen. Für sie ist die Situation erst einmal normal, bis sie dann nach und nach begreifen, dass der Regelfall anders ist.
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Re: Um jeden Preis Kinder in die Welt setzen

Beitragvon Schmendrick » Fr 29. Nov 2019, 13:49

Hallo Leute,

heftiges Thema. Aber meiner Meinung nach sollte man jedem die Entscheidung selber überlassen. Wir können froh sein, dass wir hier so viel Entscheidungsmöglichkeiten haben.
Eine Freundin von mir sitzt im Rollstuhl und möchte auch gerne Kinder haben. Das wurde im Bekanntenkreis auch schon kritisch beäugt.
Jedenfalls ist sie deswegen mit ihrem Freund in ein größeres Haus gezogen und da sie sich dort frei bewegen können will, ist sie auf einen Treppenlift angewiesen.
Es musste extra ein Treppenlift eingebaut werden, aber immerhin werden die Treppenlift Kosten sogar von der Krankenkasse übernommen, schaut mal.
Einige Freunde haben dann kritisiert, dass sie den Staat abziehen würde, weil sie doch nicht unbedingt so ein großes Haus braucht und erst recht keine Kinder in die Welt setzen sollte.
Sowas finde ich wirklich unverschämt. Sie ist wirklich selbstständig und wird bestimmt eine gute Mutter. Findet ihr sowas angemessen

LG
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