Land oder Stadt?




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Land oder Stadt?

Beitragvon Claudine » Mi 2. Sep 2009, 08:13

Ich finde jetzt kein besseres Unterforum, aber ich glaube, hier passt es schon...

Was findet ihr besser, auf dem Land oder in der Stadt zu leben?

Ich für mich liebe das Landleben, weil ich Platz ohne Ende hab, weil ich tun und lassen kann, was ich will im eigenen Haus, z.B. Nachts um 3 Uhr Klavier spielen, weil ich alle im Ort persönlich kenne und auch über alle informiert bin :gay: , weil ich weiß, wenn ich Hilfe brauche, kriege ich sie von Nachbarn und Bekannten, weil ich morgens die Vögel singen höre, den Kuckuck schreien höre, Rehe im Garten hab (und Schlangen :naja: ), ab und zu Fledermäuse in der Wohnung, weil ich nackt herumlaufen kann und mich keiner sieht, weil jedes Auto, das unseren Berg heraufkommt, auch tatsächlich zu uns will, weil ich die Türen Tag und Nacht offen habe und Leute höchstens etwas in den Gang stellen (Produkte aus Feld und Garten), anstatt irgendetwas zu klauen.

Klingt nach Paradies, aber es gibt auch die Nachteile...

Ich brauche ein Auto. Jeder von uns braucht eins, wir müssen für jeden Pups fahren, klar haben wir einen Metzger und ein kleines Geschäft (aber nicht mehr lange) und einen Getränkemarkt. Sogar eine Post, die jeden Tag EINE Stunde geöffnet hat. :top:
Da komm ich mit dem Rad hin, wenn ich die Öffnungszeiten schaffe, ansonsten und gerade wenn ich mehr Sachen brauche, erst einmal ins Auto und 15 Kilometer bis zur nächsten größeren Ortschaft, dort gibt es gleich mehrere Supermärkte.
Nahverkehr gibt es so gut wie gar nicht. Möchte ich in die Stadt, muss ich um halb 7 Uhr losfahren mit dem Bus, und komme um halb 3 frühestens zurück, da fährt erst der nächste Bus. Habe ich einen Arzttermin um 15 Uhr, muss ich dennoch um halb 7 Uhr weg und komme dann eben um halb 6 zurück. Also ein Tagesausflug für den ich ein Vermögen zahle...
Lärm haben wir auf dem Land auch, weil wir eine Tiefflugschneise sind. Mit den Landbewohnern kann man das ja machen... Jeden Tag zur Zeit drei Studen, die machen mich wahnsinnig. :help:

Ansonsten hat man aber den Lärm der Landwirtschaft und auch die Gerüche. Man kriegt hautnah mit, was die Bauern so alles auf die Felder spritzen, und oft wird nachts um 11 Uhr noch geackert oder geerntet oder sonstiges.

Man kann kaum etwas verheimlichen, Affairen wissen die Nachbarn bereits, bevor man sie tatsächlich hat.
Kultur kann man vergessen, außer man mag Bauerntheater, Kirchenchor und Blasmusik. Für den Rest fährt man erst einmal 40 bis 50 km. Essen gehen nur mit Auto, also eigentlich Essen fahren.

Ja, was sagt ihr so?
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Re: Land oder Stadt?

Beitragvon Happy » Mi 2. Sep 2009, 08:46

Ich würde sagen, ich bin ein Großstadtkind. Ich bin in einer geboren und möchte es auch nicht missen. Allerdings würde ich nicht mitten in der Stadt wohnen, lieber am Rand, wo es ein bisschen ruhiger ist, und man trotzdem überall schnell hin kommt. Ich wohne noch bei meinen Eltern (aus finanziellen Gründen), und die wohnen in einem kleinen, süßen Stadtteil von Mönchengladbach. Die Fußgängerzone ist um die Ecke (da gibts nicht viel), und ein Supermarkt ist ebenfalls locker zu Fuß erreichbar. Die Straße, in der ich wohne, ist sehr ruhig, man hört so gut wie nichts, außer lärmende Kinder morgens von der Grundschule gegenüber und die Kirchenglocken ab 8 Uhr morgens. Wenn ich shoppen gehen will, setz ich mich ins Auto und bin in 10 Minuten in der Innenstadt. Auch die Bus- und Bahnverbindung ist super. In 5 Minuten ist man auf der Autobahn, wenn man will.

Ich glaube, wenn ich genug Geld hätte, würde ich dennoch auch aufs Land ziehen, ich würde mir dann Pferde anschaffen. Ich liebe Tiere. :verliebt: Aber ich denke, im Moment bin ich auch sehr zufrieden mit meiner Lebenssituation.
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Re: Land oder Stadt?

Beitragvon Vourdalak » Mi 2. Sep 2009, 09:26

:ciao:
Hallo,
nach der Erfahrung, die ich machen durfte, würde ich sagen eine Kleinstadt und dort am Stadtrand leben ist das Beste :happy:
Großstadt geht gar nicht. Ich bekomme immer schon nach 3-4 h Freiburg/Stuttgart/Leipzig/Berlin einen Koller. Städte wie Passau find ich auch schon wieder recht groß und dort würden mich als Einwohner die Touris nerven, die langsam und in Schwärmen durch die Straßen latschen.
Allerdings hat die Stadt den Vorteil, dass irgendwie alles zu haben ist.

Früher habe ich meine Sommerferien bei der Großtante auf einem paar-hundert-Seelen-Dorf verbracht. Es gab einen Konsum und eine Dorfkneipe. Heute gibts nur 2 Kneipen und keinerlei Einkaufsmöglichkeit mehr, sie muss immer für jedes Brot etc 8 km in die Kreisstadt ( ein fahrender Händler, den es mal gab, kommt nichts mehr, weil die Leute nichts kauften, weil die Preise bei ihm teurer waren als im Supermarkt.)

Aufgewachsen bin ich in einer knapp 30 000 Einwohnerstadt, direkt am Stadtrand, danach gabs nur noch Felder und Wiesen.
War eine tolle Kindheit und das Wohnen dort war seeeehr ruhig. Unser Haus lag auch nicht an der Straße, sondern hatte Wiese vor und hinter dem Haus. Ich wohnte in einer Siedlung und das war wie ein Dorf. Mindestens 1 Elternteil arbeitete in den Leunawarken ( das Wohngebiet war eine "leuna-Siedlung") und wir Kinder gingen in die gleichen KiTa´s und Schulen. Man blieb irgendwie unter sich. Auch nach der Wende zogen höchstens die Jungen weg, die alten blieben. Aber viele Junge blieben auch in der Siedlung ( 11 kleine Blöcke mit je 3-4 Eingängen zu je 6 Mietparteien), so dass oftmals 3 Generationen zusammen in einem Block wohnten.
War in meiner Familie auch so, später wohnten wir sogar alle in einem Haus.

Es gab eigentlich alles was man zum leben brauchte.

Nun wohne ich in einem Ort, der mit umliegenden Dörfern auf knapp über 9000 Einwohner kommt.
Es gibt 5 Supermärkte, einen Gartencenter, aber keinen Baumarkt, keine Bekleidungsgeschäfte ( als ich her zog gab es 5 Stück und 3 Schuhläden - sind jetzt alle dicht :flop: ), naja KIK gibts, aber das ist kein bekleidungsgeschäft :nein: .
Es gibt knapp 10 Friseure und Nagelstudios und ebenso viele Dönerbuden.
Kneipen, allerdings nur direkt im Ort 2 Restaurants ( und beide 0815-Kost aus dem Ländle), die anderen Restaurants, die auch etwas für junge Leute wären ( eine Yuppiebar und eine Nachtbar) sind ebenfalls letztes Jahr geschlossen worden.
Die Post sollte auch geschlossen werden, aber es gab Anwohnerproteste und nun ist die Post nicht mehr in einem eigenständigen Gebäude, sondern in einem Zeitungsladen untergebracht. Die Hälfte der Mitarbeiter weg.
Vor 10 Jahren gabs hier male in Krankenhaus - nun ist da ein Ärztehaus mit 3 oder 4 Praxen und dem einzigen Röntgengerät im Ort. Die Ärztegemeinschaft hat sich das angeschafft, damit nicht wegen jedem Röntgenbild die alten Leute in die Kreisstadt müssen. Wir Junge werden aber immer nach VS überwiesen :weinen:

Kurz : wenn es was gibt, dann gibts davon viel, an anderen Dingen haperts. Keine Augenärzte, HNO-Ärzte,Internisten, nur einen Gynäkologen.
Man muss immer in die Kreisstadt oder nach Freiburg, wenn man zum Fach-Arzt muss.
Man braucht auch hier ein Auto ( wobei man da in der kreisstadt 25 km entfernt tanken sollte, bei uns ist das Benzin immer etwa 3 Cent teurer), ist dann innerhalb weniger als 1 h auf der Autobahn oder in Freiburg.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt man 1 h in die Kreisstadt ( wenn der Fahrplan passt) und in etwas mehr als 2,5 h in freiburg.
Am Wochenende kommt man nur nach Freiburg, aber nicht in die Kreisstadt, in die Richtung fährt ab Samstag morgen kein Bus mehr bis Montag morgen halb 6.
:flop:
Was fehlt noch hier : wir haben eine Bibliothek - eine katholische. Bücherinventar : weniger als mein Bücherregal hergibt :flop:
Ich bestelle deshalb alles im Internet ( außer tägliche Lebensmittel).
Spart den Einkaufsstress und Versandkosten sind billiger als eine Buskarte oder Benzin und Parkgebühr.

Wenn ich nicht schon ans Alter denken würde ( man sollte Arzt in der Nähe haben, Einkaufsmöglichkeiten, wo man zu Fuß hin kann und eine Kneipe :grins: ), wäre mein Traum ganz abgeschieden zu wohnen, etwa so, wie ich das im Urlaub2010- Thread schrieb.
Abgelegen, das nächste Haus schon einige hundert Meter entfernt, der nächste Ort noch weiter weg, viel Grün, Wald, Felder, Wiesen....
Ich brauche einfach Natur, Ruhe, mag keine Zivilisationsgeräusche hören und freue mich, wenn ich mal tagelang keinen anderen Menschen zu Gesicht bekomme.
Ich bin dann immer sehr entspannt, Dinge, die mich jetzt sofort auf die Palme bringen, gehen mir dann am Po vorbei. Ich brauche dann auch keinen Strom, fließens kaltes Wasser reicht mir.
Ich vermisse dann auch kein Internet.
Bin ich aber in der "Zivilisation", dann gehts ohne den Technik-Schnickschnack gar nicht.

Und ich liebe den "Dorfgeruch". Als ich nach vielen Jahren bei meiner Tante war, wo in meiner Kindheit die Jauche am Straßenrand zu finden war - heute sind die Häuser alle weiß, die Straßen perfekt, es gibt kaum Landwirtschaft mehr und es riecht wie in jeder Stadt. Steht der Wind gut kommt mal Geruch vom Wald herüber - das war es dann aber auch.
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Re: Land oder Stadt?

Beitragvon Claudine » Mi 2. Sep 2009, 10:43

Man braucht auch hier ein Auto ( wobei man da in der kreisstadt 25 km entfernt tanken sollte, bei uns ist das Benzin immer etwa 3 Cent teurer), ist dann innerhalb weniger als 1 h auf der Autobahn oder in Freiburg.
Ihr HABT wenigstens noch eine Tankstelle...
Dafür fahren wir auch erst einmal 12 km bis zur nächsten.
Bekleidung gibts bei uns gar nicht, einen Arzt haben wir, einen sogenannten Allgemeinarzt, der zu den Fachärzten überweist, die allesamt mindestens 40 km entfernt sind.

Die alten Leute haben bei uns noch die sozialen Bindungen oder nette Nachbarn, ich hab schon oft meine Nachbarin mit in die Stadt genommen, damit sie zum Arzt konnte, das ist selbstverständlich.
Ob ich hier alt werden möchte? Eher nicht, wir werden wohl über kurz oder lang in Stadtnähe ziehen, ich mag später nicht von der Güte meiner Nachbarn abhängig sein. Aber die Freiheit des Landlebens werde ich vermissen.

Also ein Tipp für alle Politiker, die sagen, das Benzin sollte 5 Euro pro Liter kosten und man sollte den öffentlichen Nahverkehr nutzen: Ein Monat hier ohne Auto leben. Und dann wieder mitreden...
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Re: Land oder Stadt?

Beitragvon missmarple9 » Mi 2. Sep 2009, 12:27

:blumen: so, dann will ich auch mal.
wir leben in einer mittleren kleinstadt, die ca. 20.000 einwohner hat, nicht weit von der ältesten stadt BaWü´s entfernt :grins: hier ist eigentlich alles, was man braucht :ja: diverse fachärzte, zig apotheken, tankstellen, grössere einkaufszentren, supermärkte, autowaschstrassen, parkhaus. sogar ne hüsche fussgängerzone. allerdings wurde unser bahnhof
warum auch immer :naja:
geschlossen, die züge fahren nicht mehr direkt zu uns in´s "städle" rein, sondern nur noch drum herum :naja:
so richtig auf dem land leben würde mir auch gefallen, aber auf dauer hätte ich angst, das es mir zu einsam werden würde. allerdings finde ich so grossstädte wie stuttgart, mannheim, freiburg, offenburg auch schön. man gewöhnt sich doch auch mit der zeit daran :???: menschen, die da leben, kennen gar nix anderes :ja:
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Re: Land oder Stadt?

Beitragvon Radagast » Mi 2. Sep 2009, 17:34

Land :-)

Aber mit Nähe zur Stadt.
Ich wohne im Prinzip super.

Ich wohne in Kempen (30.000 Einwohner) bzw. dem Vorort St.Hubert mit ca. 7000 Einwohnern. Ich gehe aus der Haustür, biege links ab und nach 100 Metern stehe ich auf dem Feld (Ortsausgang). Gehe ich nach rechts, bin ich nach 400 Metern im Ortskern. Bis Kempen sind es drei Kilometer.

Kempen liegt am Niederrhein, kurz vor der holländischen Grenze.
Die nächste größere Stadt ist Krefeld mit 250.000 Einwohnern, die ich in 10 Minuten erreiche.

Im weiteren Umkreis liegen zum Beispiel Duisburg, Mönchengladbach, Düsseldorf ... selbst Köln oder Essen sind in weniger als 60 Minuten zu erreichen.

Daher kann ich nur sagen, dass die Lage absolut top ist!

Dass alles eitel Sonnenschein ist, stimmt natürlich auch nicht. Auch auf dem Land hat man hin und wieder Probleme ...
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Re: Land oder Stadt?

Beitragvon Choclate » Mi 2. Sep 2009, 20:28

Dann will ich auch mal.
Aufgewachsen bin ich ja auf dem Dorf mit guter Busverbindung in die Stadt. Mittlerweile gibt es in dem Dorf einen ALDI und REWE.
Mein jetziger Wohnort ist eine wunderschöne Kleinstadt mit schöner Altstadt. In der Stadt gibt es Bäcker, Mezger, kleinere Läden und ein kleines Kaufhaus. Die Discountr sind im Industriegebiet. Natur ist auch in der Nähe, da brauch ich bloß runter an die Enz gehen. Will ich mal richtig shoppen gehen, dann geh ich ins Breuningerland. Ich fühl mich hier pudelwohl. :coolvic:

Bild

:eis2:
Mir kennet elles, außa Hochdeitsch...
Lieber Fett uf`m A... als magersüchtig
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Re: Land oder Stadt?

Beitragvon Claudine » Do 3. Sep 2009, 11:52

Mal sehen, ich lade auch mal ein Foto von meinem Kaff hoch

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Und hier noch ein Blick in die Wildnis unseres Gartens und dahinter

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